Digitale Souveränität
Es geht darum, dass Europa im Ernstfall selbst handeln kann. Bei Cloud-Diensten, Halbleitern, großen KI-Modellen und wichtiger Software hängt Europa an einer Handvoll Anbieter, die meist außerhalb des Kontinents sitzen. Das ist längst keine reine Kostenfrage mehr. Wer die Infrastruktur kontrolliert, hat auch ein politisches Druckmittel in der Hand. Sich komplett selbst zu versorgen, wäre trotzdem der falsche Reflex, denn Wohlstand entsteht aus offenen Märkten und nicht hinter Mauern. Realistisch ist ein anderer Anspruch: Wir wollen im Zweifel den Anbieter wechseln können, Systeme miteinander verbinden und dort gemeinsam mit europäischen Partnern bauen, wo es Sinn ergibt. Das schützt besser als jede Abschottung. Konkret heißt das für uns, dass in öffentlichen Ausschreibungen offene Standards und Open-Source-Lösungen fest verlangt werden sollten und dass Verwaltungen von Anfang an einen Plan B brauchen, also Verträge, aus denen man wieder herauskommt, und Daten, die sich mitnehmen lassen. Und bei Schlüsseltechnologien wie Chips oder Rechenkapazität lohnt sich die europäische Zusammenarbeit mehr als der nationale Alleingang.