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Hessen als digitales Kraftzentrum – cDIGITALBRIEFING mit Staatssekretär Dr. Nicolas Sölter

27. Oktober 2026 · 4 min Lesezeit
Staatssekretär Digitales, Dr. Nicolas Sölter (c) Hessische Staatskanzlei

Premiere bei c-netz: Beim ersten Abendbriefing in der Geschichte des Netzwerks präsentierte Dr. Nicolas Sölter, neuer Staatssekretär im Hessischen Ministerium für Digitalisierung und Innovation, 22 Teilnehmenden die Digitalagenda eines Bundeslandes, das mit über 40 Milliarden Euro Jahresumsatz in der Digitalwirtschaft, mehr als 125.000 Beschäftigten und einem IT-Anteil von rund 40% bei den Startups nicht ohne Grund als führender Digitalstandort der Republik gilt.

Vom Großkanzlei-Juristen zum Digitalgestalter

Der promovierte Jurist und ehemalige Freshfields-Berater mit Schwerpunkt Öffentliches Recht beschrieb seinen Wechsel in den öffentlichen Dienst als „Privileg, am Gelingen von etwas Größerem mitarbeiten zu dürfen". Im Gespräch wurde schnell klar: Dr. Sölter verbindet juristisches Feingefühl mit digitalem Gestaltungswillen – und einer erfrischenden Offenheit gegenüber Marktdynamiken.

KI, Drohnen, Sensorik – weit mehr als Frankfurt

Hessen setzt bewusst auf regionale Streuung: Während Frankfurt mit dem erst vor einem halben Jahr erfolgreich gestarteten Hightech-Standort Bertramshof sowie zahlreichen KI-Lehrstühlen an den Universitäten in der Rhein-Main-Region glänzt, entsteht ein landesweites Sensorik-Cluster mit starker Beteiligung aus Mittel- und Osthessenund in Kassel-Calden ein Drohnenkompetenzzentrum inklusive Reallabor. Die AI Quality & Testing Hub GmbH (AIQ) mit Sitz in Frankfurt am Main ist die erste Einrichtung dieser Art in Deutschland, die gemeinsam vom hessischen Digitalministerium und dem VDE gegründet wurdeund Qualität, Sicherheit und Konformität von Systemen der Künstlichen Intelligenz (KI) in den Blickpunkt rückt..

Rechenzentren: Gewerbesteuer als Gamechanger

Bei der Frage nach Flächen und Energie für die wachsende Rechenzentrumslandschaft – Hessen ist führender Standort in Kontinentaleuropa – präsentierte Dr. Sölter einen überraschend konkreten Lösungsansatz: die Gewerbesteuerzerlegung überwiegend nach Stromanschlussleistung statt nach Beschäftigtenzahl. So könnten auch die Kommunen mit großen Rechenzentren, in denen nicht der Hauptsitz des Unternehmens angesiedelt ist, finanziell profitieren – aufkommensneutral und fair.

Beim Thema Energieversorgung plädierte er für strikte Technologieoffenheit: Nach der Stilllegung von Kernkraftwerk Biblis und Kohlekraftwerk Großkrotzenburg müsse auch der Markt entscheiden, welche Lösungen – von erneuerbaren Energien bis zu „Bring Your Own Energy"-Modellen – am tragfähigsten sind. „Wir dürfen nicht den Fehler machen, das durch überbordende Regulierung besser zu wissen als der freie Markt", so der Staatssekretär.

Quantenkryptographie: Frankfurt gegen „Harvest Now, Decrypt Later"

Hessen fördert das Quantencomputing durch gezielte Vernetzung von Wissenschaft und Wirtschaft, um Forschungsergebnisse schneller in die industrielle Praxis zu überführen – hochrelevant für den Finanzplatz Frankfurt. Die Bedrohung durch „Harvest Now, Decrypt Later"-Angriffe, bei denen heute verschlüsselte Daten für künftige Quantenentschlüsselung gesammelt werden, macht Post-Quanten-Kryptographie zu einer wichtigen Aufgabe. Der kleine Forschungsrechner „Baby Diamond" markiert den Startpunkt, und Hessen sieht Bedarf für weitere Schritte, auch in Abstimmung mit Finanzmarktakteuren.

421 Kommunen, ein Ziel: Digitale Verwaltung bis 2030

Hessens Verwaltungslandschaft mit 421 Städten und Gemeinden sowie 21 Landkreisen und drei Regierungspräsidien flächendeckend zu digitalisieren – das klingt nach Sisyphusarbeit. Doch der Staatssekretär präsentierte handfeste Fortschritte: Fünf stark nachgefragte Verwaltungsleistungen, Wohnsitzanmeldung, Führerscheinantrag, Aufenthaltsrecht, Unterhaltsvorschuss sowie immissionsschutzrechtlichen Genehmigungen für den Bau von Industrie- und Gewerbeanlagen, sollen bis Ende 2026 größtmöglich flächendeckend in Hessen digital verfügbar sein.

Hessen ist das erste Land, das mit dem Bund dieses Projekt vereinbart hat. Die Kommunen werden durch sogenannte Roll-In-Teams bei der Umsetzung unterstützt – ein wichtiger Aspekt gerade für kleinere Kommunen. Der Landes-IT-Dienstleister ekom21 unterstützt das Pilotprojekt des Hessichen Digitalministeriums. Der hessische Ansatz stößt inzwischen bundesweit auf Interesse, sodass dieser zur Blaupause für eine flächendeckende Verwaltungsdigitalisierung in ganz Deutschland werden kann.

Ebenso braucht es für eine erfolgreiche Digitalisierung gigabitfähige Anschlüsse in der Fläche, Hessen hat sich die Flächendeckung bis 2030 als Infrastrukturziel vorgenommen.

Dr. Sölter ließ keinen Zweifel daran, dass er zu mehr Standardisierung und zentralen Lösungen rät, auch um Kommunen zu entlasten und die Digitalisierung voran zu bringen.

Ausblick: c-netz kommt nach Hessen

Das Interesse war so groß, dass die über Zoom angesetzte Stunde nicht reichte – am Ende flog der gesamte Call wegen Zeitüberschreitung auseinander (?). Für künftige Briefings wurde mehr Puffer vereinbart. Noch wichtiger: Ein physisches Treffen von c-netz in Hessen ist in Planung, um die Themen Digitalisierung für Kommunen, KI in der Verwaltung und digitale Gesundheit vor Ort zu vertiefen.

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Das Wichtigste in Kürze: Hessen positioniert sich mit gezielter Innovationsförderung, Technologieoffenheit bei Rechenzentren, Fokus auf Quantencomputing und pragmatischer Verwaltungsdigitalisierung als Vorbild für andere Bundesländer. Ein physisches Treffen in Hessen ist in Planung.

Das cDIGITALBRIEFING ist das exklusive Gesprächsformat von c-netz, bei dem Entscheidungsträger aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft digitale Zukunftsthemen diskutieren – unter Chatham House Rules, ungezwungen und direkt. Interessiert? Werde Mitglied unter c-netz.de und sei beim nächsten Mal dabei!

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