Deutschland-Stack mit gemeinsamen Standards für die digitale Verwaltung
Wie können Bund, Länder und Kommunen ihre digitalen Angebote besser miteinander verbinden? Darüber sprach cnetz beim heutigen #digitalbriefing mit Holger Lehmann. Er leitet im Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung die Unterabteilung „Digitale Infrastruktur für die öffentliche Verwaltung“. Im Mittelpunkt standen der Stand des Deutschland-Stacks, seine Steuerung und die Frage, wie er in den Kommunen ankommt.
In Deutschland gibt es bereits viele digitale Lösungen für die Verwaltung. Häufig sind sie jedoch nicht miteinander verbunden. Unterschiedliche Zuständigkeiten, parallele Entwicklungen und fehlende Schnittstellen erschweren die Nachnutzung. Das verursacht zusätzliche Kosten und kann Sicherheitsrisiken erhöhen. Der Deutschland-Stack soll vorhandene Strukturen verbinden und eine gemeinsame technische Grundlage für Bund, Länder und Kommunen schaffen.
Fünf Basisdienste bilden den Anfang
Die erste Ausbaustufe umfasst fünf zentrale Basisdienste:
- Identität und Vertrauen: Zentrale Dienste wie Wallet (EUDI-Wallet) zur sicheren Authentifizierung.
- ZaPuK ermöglicht die sichere Kommunikation mit Bürgern und Unternehmen.
- FIT-Connect sorgt für den standardisierten und sicheren Datenaustausch zwischen Behörden.
- NOOTS macht Daten und Nachweise nach dem Once-Only-Prinzip behördenübergreifend verfügbar.
- Der Zentrale Basisdienst Zahlungsabwicklung mit ePayBL übernimmt Ein- und Auszahlungen. Der IT-Planungsrat hat dafür einen gemeinsamen Plattformkern und verbindliche Standards beschlossen. Bund, Länder und Kommunen wollen die Dienste bei neuen und weiterentwickelten Angeboten nutzen.
Holger Lehmann erklärte, dass dieser Ansatz verhindert, dass Funktionen, die viele Verwaltungen benötigen, nicht an jedem Ort neu entwickelt werden müssen. Vielmehr können Fachverfahren auf die gemeinsamen Dienste zugreifen. Das spart Aufwand und erleichtert sichere und nutzerfreundliche Angebote.
Die Kommunen müssen den Stack nutzen können
Ob das Vorhaben funktioniert, entscheidet sich vor allem in Ländern und Kommunen. Der Bund kann zwar Standards und zentrale Komponenten bereitstellen, aber die Einbindung in vorhandene Fachverfahren muss vor Ort passieren. Auch ältere Systeme müssen abgelöst und Abläufe in den Verwaltungen angepasst werden. Das gelingt nur gemeinsam mit Ländern, Kommunen und IT-Dienstleistern.
Deshalb braucht es neben der Technik klare Zuständigkeiten, ein verlässliches Portfoliomanagement und einen engen Austausch mit den späteren Nutzern. Die Anforderungen der Kommunen sollten früh in die Weiterentwicklung einfließen. Schnittstellen müssen so dokumentiert sein, dass Verwaltungen und Anbieter tatsächlich mit ihnen arbeiten können.
Nun kommt es auf die Umsetzung an
Der Deutschland-Stack kann zu einer wichtigen Grundlage für eine moderne Verwaltung werden. Dafür müssen Bund, Länder und Kommunen die vereinbarten Standards anwenden. Die Basisdienste brauchen einen dauerhaften Betrieb, und die Kommunen benötigen Unterstützung bei der Einbindung in ihre Systeme. Sicherheit, Wirtschaftlichkeit und eine einfache Nutzung müssen dabei von Anfang an berücksichtigt werden.
Im #digitalbriefing wurde deutlich, dass die Beteiligten stärker gemeinsam steuern wollen. Jetzt müssen sie Zuständigkeiten klären und aus den Komponenten nutzbare Verwaltungsleistungen machen. Danke an Holger Lehmann und alle Teilnehmenden.
