Beim #cLunch in Dresden wurde schnell klar: Die European Digital Identity Wallet ist weit mehr als ein technisches Projekt. Sie ist ein echter Stresstest für die digitale Handlungsfähigkeit von Staat und Verwaltung.
Zum Auftakt begrüßte Nicole Bollmann Lasagni die cnetz Community am Standort von SAP in Dresden. Mit über 1.000 Mitarbeitenden steht der Standort exemplarisch für die Dynamik des Silicon Saxony und die wachsende Bedeutung regionaler Tech Ökosysteme.
Vom Personalausweis zur Plattform
Markus Reichel, Mitglied des Bundestagsausschusses für Digitales und Staatsmodernisierung, machte deutlich, wie komplex bereits die Digitalisierung des Personalausweises ist. Hohe Anforderungen an Sicherheit, Datenschutz und Interoperabilität treiben Aufwand und Kosten.
Gleichzeitig ist der digitale Personalausweis erst der Einstieg. Er dient als Onboarding in eine Wallet, die perspektivisch zahlreiche Anwendungen bündeln soll, etwa Wohngeldanträge oder die An und Ummeldung von Fahrzeugen.
Komplexität ohne Blaupause
Die zentrale Herausforderung ist offensichtlich: Es gibt kein Referenzmodell.
Die Wallet muss rechtliche, technische und nutzerbezogene Anforderungen gleichzeitig erfüllen und das über alle Ressorts hinweg. Dresden nimmt hier eine besondere Rolle ein, da die Stadt als Referenz für die weitere Entwicklung und spätere Skalierung dient.
Kommunen als Schlüsselakteure
Michael Breidung, Leiter des Eigenbetriebs IT Dienstleistungen der Stadt Dresden, lenkte den Blick auf die kommunale Ebene und auf konkrete Anwendungsfälle. Ein Beispiel ist der digitale Ehrenamtspass. Damit dieser funktioniert, müssen auch Akzeptanzstellen wie Museen technisch in der Lage sein, die Wallet auszulesen und entsprechende Nachweise zu prüfen. Sein zentraler Punkt: Ohne frühzeitige Einbindung der Kommunen wird die Wallet nicht funktionieren. Transparenz und Beteiligung sind entscheidend, um Akzeptanz und Vertrauen in digitale Lösungen aufzubauen.
Politischer Rückenwind und ein klares Ziel
Ein positives Signal ist die enge Begleitung durch das Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung, das den Prozess aktiv unterstützt. Der Fahrplan ist klar: Zum 2. Januar 2027 soll die Wallet mit zentralen Funktionen starten, darunter digitaler Personalausweis, Führerschein, Fahrzeugschein und Versicherungsnachweise.
Austausch im Fokus
Unter der Moderation von Theodor Tietze und Sirko Scheffler entwickelte sich ein intensiver Austausch über Chancen, Herausforderungen und nächste Schritte. Die wichtigste Erkenntnis des Lunchs: Die EUDI Wallet ist kein Selbstläufer. Sie wird nur dann erfolgreich sein, wenn Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Kommunen gemeinsam handeln und den Nutzer konsequent in den Mittelpunkt stellen.
👉 Der nächste #cLunch ist bereits in Planung. Interessierte können sich gerne vormerken lassen.