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cnetz verteidigt Nominierung von Crysis 2 beim Deutschen Computerspielpreis
Veröffentlicht am 25.04.12

Das cnetz zum Deutschen Computerspielpreis:

“Die morgige Verleihung des Deutschen Computerspielpreises schlägt bereits jetzt hohe Wellen, nachdem bekannt geworden ist, welche Spiele nominiert worden sind und Aussichten haben, die Preise zu gewinnen. Das cnetz gratuliert schon jetzt den Preisträgern und Nominierten, darunter auch das Spiel Crysis 2 in der Kategorie “Bestes Deutsches Computerspiel”.
Das Spiel des Frankfurter Spieleherstellers Crytek ist ein klassischer Ego-Shooter, darum hatte die Nominierung im Vorfeld für Wirbel gesorgt. Auch die beiden cnetz-Sprecher Dr. Peter Tauber und Thomas Jarzombek hatten in ihrer Funktion als Abgeordnete an der Entscheidung der unabhängigen Jury mitgewirkt.

Die Anregung des Kulturstaatsministers Bernd Neumann, die Kategorien des Preises erneut zu diskutieren und dabei neben dem pädagogischen Aspekt andere Punkte stärker zu gewichten, halten wir für richtig. Das cnetz greift die Vorschläge des Kulturstaatsministers auf und schlägt vor, eine eigenständige Kategorie für den pädagogischen Wert eines Spiels einzuführen. Auch technische Innovation und ein spannendes Gameplay sollten künftig stärker gewichtet werden. So könnten künftig beispielsweise auch Spiele für Erwachsene besser berücksichtigt werden.

Kritik übt das cnetz an den Äußerungen des kultur- und medienpolitischen Sprechers der Unionsfraktion, Wolfgang Börnsen. Dieser hatte die Nominierung von Crysis 2 als Fehler bezeichnet, in diesem Zusammenhang von einem „Killerspiel“ gesprochen und sogar die Neubesetzung der Jury gefordert.

Aus Sicht des cnetz habe Börnsen sich aber gar nicht selbst mit dem Spiel auseinandergesetzt. Eine fachliche Bewertung könne er daher im Gegensatz zur unabhängigen Jury, die er nun kritisiert, gar nicht abgeben. Hinzu komme, dass allein seine Sprachwahl von einer groben Unkenntnis in der Sache zeuge.

Es ist bedauerlich, das Spiele oftmals noch anders bewertet werden als andere Medien. So wurde etwa seitens der Kulturpolitiker keine Kritik an den gewaltverherrlichenden Szenen in dem Hollywoodstreifen “Inglorious Basterds” geäußert, in den immerhin mehrere Millionen Euro der Filmförderung geflossen sind. Die darin enthaltenen gewaltverherrlichenden Szenen übersteigen die Form der Gewaltdarstellungen von Crysis 2 um ein Vielfaches. Von einer staatlichen Förderung hat die Entwicklung und Produktion des Spiels jedoch nicht profitiert.
Wir fordern, dass Computerspiele als Kulturgut anerkannt werden und gleichberechtigt neben anderen Medien stehen.

Das cnetz stellt daher fest:

Es handelt sich bei Crysis 2 um ein Spiel für Erwachsene, das die Altersfreigabe ab 18 Jahren durch die USK erhalten hat. Wäre es ein „Killerspiel“, dann wäre das Spiel in Deutschland indiziert und somit verboten.
Das Spiel setzt international Standards. Es gibt derzeit in Deutschland keinen anderen Hersteller, der Computerspiele auf diesem Niveau produziert und damit ein Aushängeschild für den IT-Standort Deutschland ist.

Menschen aus allen Gesellschaftsschichten spielen mit Leidenschaft Spiele wie Crysis 2. Computerspiele sind längst ein weit verbreitetes und anerkanntes Kulturgut. Dieser Erkenntnis sollte sich auch der medienpolitische Sprecher der Unionsfraktion nicht verschließen können.”